Pitch Deck erstellen: Aufbau und Beispiele
Zehn bis fünfzehn Folien, die in wenigen Minuten überzeugen: Aufbau, Inhalte pro Folie, Beispielformulierungen und die Fehler, an denen viele Decks scheitern.
Ein Pitch Deck ist eine Präsentation aus zehn bis fünfzehn Folien, die in wenigen Minuten erklärt, welches Problem Sie lösen, wie Ihr Geschäftsmodell funktioniert, warum Ihr Team das schafft und wie viel Kapital Sie wofür brauchen. Es öffnet die Tür zum Gespräch mit Investoren, Förderjurys und Wettbewerben. Den ausführlichen Nachweis liefert später der Businessplan.
Wie der vollständige Plan aufgebaut ist, steht unter Businessplan schreiben. Dieser Artikel konzentriert sich auf das Deck: Aufbau, Inhalte pro Folie und Beispielformulierungen.
Zwei Fassungen für zwei Situationen
Viele Gründer bauen ein einziges Deck und wundern sich, warum es nicht funktioniert. In der Praxis brauchen Sie zwei Fassungen:
| Fassung | Einsatz | Merkmale |
|---|---|---|
| Lesefassung | Versand per E-Mail, Upload bei Wettbewerben | muss ohne Ihre Erklärung verständlich sein, ganze Sätze, Zahlen mit Quellenangabe |
| Vortragsfassung | Pitch-Event, Bankgespräch, Investorentermin | wenig Text, große Zahlen, Bilder, Sie erzählen den Rest |
Beginnen Sie mit der Lesefassung. Wenn sie schlüssig ist, kürzen Sie für den Vortrag.
Aufbau: Folie für Folie
Die folgende Reihenfolge hat sich bewährt. Sie ist kein Gesetz, aber eine Abweichung sollte einen Grund haben.
| Nr. | Folie | Leitfrage |
|---|---|---|
| 1 | Titel | Wer sind Sie, was machen Sie in einem Satz? |
| 2 | Problem | Wer hat welches Problem, und wie groß ist es? |
| 3 | Lösung | Wie lösen Sie es, und was ist daran besser? |
| 4 | Produkt | Wie sieht es konkret aus? |
| 5 | Markt | Wie viele potenzielle Kunden gibt es, und was sind sie bereit zu zahlen? |
| 6 | Geschäftsmodell | Wer zahlt wofür, wie oft, zu welchem Preis? |
| 7 | Wettbewerb | Welche Alternativen nutzen Kunden heute? |
| 8 | Vertrieb und Marketing | Wie gewinnen Sie Kunden, und was kostet das? |
| 9 | Bisherige Ergebnisse | Was haben Sie schon erreicht? |
| 10 | Team | Warum sind genau Sie die Richtigen? |
| 11 | Finanzplanung | Umsatz, Kosten und Ergebnis der nächsten drei bis fünf Jahre im Überblick |
| 12 | Kapitalbedarf | Wie viel, wofür, und welche Meilensteine erreichen Sie damit? |
| 13 | Kontakt | Wie erreicht man Sie? |
Problem und Lösung
Beschreiben Sie das Problem aus Sicht der Kunden, nicht aus Sicht Ihrer Technologie. Ein abstraktes Beispiel für eine schwache und eine starke Formulierung:
- Schwach: „Unsere KI-gestützte Plattform optimiert Prozesse.“
- Stärker: „Kleine Handwerksbetriebe verbringen mehrere Stunden pro Woche mit dem Abtippen von Aufmaßen. Unsere App erfasst sie direkt beim Kunden und übergibt sie an die Angebotssoftware.“
Die zweite Fassung nennt Zielgruppe, Schmerz und Nutzen. Belegen Sie den Schmerz mit eigenen Gesprächen, Umfragen oder nachvollziehbaren Quellen.
Markt
Investoren wollen sehen, dass Sie den Markt verstehen, nicht die größte Zahl. Eine Herleitung von unten ist glaubwürdiger als eine allgemeine Branchenzahl: Wie viele Betriebe dieser Art gibt es in Ihrem Zielgebiet, welcher Anteil kommt realistisch infrage, was zahlt jeder im Jahr? Nennen Sie die Quelle jeder Zahl. Viele Decks unterscheiden zwischen Gesamtmarkt, erreichbarem Markt und dem Anteil, den Sie in den ersten Jahren realistisch gewinnen können.
Geschäftsmodell und Wettbewerb
Zeigen Sie, wie Geld verdient wird: Einmalverkauf, Abonnement, Provision, Lizenz. Wichtig sind die Größen, die Investoren selbst nachrechnen: Preis, Marge, Kosten der Kundengewinnung, Wiederkaufrate. Beim Wettbewerb gilt: „Wir haben keine Konkurrenz“ ist fast immer falsch. Mindestens die heutige Lösung des Kunden, etwa Tabellen, Papier oder ein bestehender Dienstleister, ist Ihr Wettbewerber. Eine Matrix mit zwei für Kunden entscheidenden Kriterien macht Ihre Position sichtbar.
Bisherige Ergebnisse
Diese Folie, oft „Traction“ genannt, ist für viele Leser die wichtigste. Hier zählen Belege: zahlende Kunden, Pilotprojekte, Umsätze, Wachstum über Monate, Wartelisten, Absichtserklärungen. Kennzeichnen Sie ehrlich, was vereinbart und was nur in Gesprächen ist.
Team
Nennen Sie für jede Person die Erfahrung, die für dieses Vorhaben relevant ist, nicht den vollständigen Lebenslauf. Wenn Lücken bestehen, etwa im Vertrieb, sagen Sie, wie Sie sie schließen wollen. Ein Team, das seine Lücken kennt, wirkt professioneller als eines, das alles zu können behauptet.
Finanzplanung und Kapitalbedarf
Zeigen Sie die wesentlichen Zahlen auf einer Folie, als Tabelle oder Diagramm: Umsatz, Kosten, Ergebnis und Liquidität über die Planjahre. Die Herleitung gehört in den Anhang. Beim Kapitalbedarf nennen Sie Betrag, Verwendung nach Blöcken, etwa Produktentwicklung, Vertrieb, Personal, und die Meilensteine, die Sie damit erreichen wollen. Wer sich für Beteiligungskapital interessiert, findet die Grundlagen unter Venture Capital und Business Angels.
Der Anhang: Details für Nachfragen
Was nicht in die Hauptfolien passt, aber im Gespräch gefragt wird, gehört in einen Anhang hinter der Kontaktfolie. Typische Inhalte:
| Anhang | Inhalt |
|---|---|
| Finanzplan im Detail | Umsatzherleitung, Kostenblöcke, Personalplanung, Liquidität nach Monaten für das erste Jahr |
| Kennzahlen | Entwicklung von Kunden, Umsatz und Marge seit dem Start |
| Technik oder Produkt | Funktionsweise, Entwicklungsstand, Schutzrechte |
| Markt | Quellen und Rechenweg der Marktgrößen |
| Team | Kurzprofile, Beirat, geplante Einstellungen |
| Beteiligungsstruktur | aktuelle Gesellschafter und Anteile, bisherige Finanzierungsrunden und Förderungen |
Der Anhang zeigt, dass Sie vorbereitet sind, ohne den Vortrag zu überladen. Bei einer Bank kommt der Kapitalbedarfsplan aus dem Businessplan dazu, bei Förderstellen die Unterlagen, die das jeweilige Programm verlangt.
Feedback einholen, bevor es zählt
Zeigen Sie das Deck vor dem ersten wichtigen Termin mehreren Menschen, die es nicht kennen: Gründungsberatern von Kammer oder Hochschule, anderen Gründern, Fachleuten aus der Zielbranche. Bitten Sie sie, nach dem Lesen in eigenen Worten zu erklären, was Ihr Unternehmen macht und warum es Geld verdienen wird. Wo diese Wiedergabe von Ihrer Absicht abweicht, ist das Deck unklar. Auch die schriftlichen Rückmeldungen aus Gründerwettbewerben sind eine gute Quelle.
Gestaltung: weniger ist mehr
- Eine Aussage pro Folie: Die Überschrift ist die Kernaussage als ganzer Satz, nicht nur ein Stichwort.
- Lesbare Schrift: Wenn die Schrift für den Beamer zu klein ist, ist zu viel Text auf der Folie.
- Echte Bilder: Screenshots Ihres Produkts, Fotos aus dem Einsatz. Stockbilder wirken austauschbar.
- Einheitliche Zahlen: Alle Zahlen im Deck müssen zu denen im Businessplan passen.
- Dateiformat: Für den Versand eine PDF-Datei mit überschaubarer Größe, damit sie in jedem Postfach ankommt.
Der Vortrag
Ein Pitch auf Veranstaltungen dauert oft nur wenige Minuten, Gründerwettbewerbe geben die Zeit meist genau vor. Üben Sie laut und mit Uhr. Beginnen Sie mit dem Problem, nicht mit Ihrer Biografie. Bereiten Sie Antworten auf die kritischen Fragen vor, die fast immer kommen: Warum jetzt? Was, wenn ein großer Anbieter das kopiert? Warum sind Ihre Umsatzannahmen realistisch? Wie Wettbewerbe ablaufen und welche es gibt, beschreibt der Artikel Gründerwettbewerbe in Deutschland.
Typische Fehler
- Technik statt Nutzen: Lange Erklärungen der Lösung, bevor klar ist, welches Problem sie löst.
- Unbelegte Marktzahlen: Große Zahlen ohne Quelle oder ohne Herleitung.
- Unrealistische Kurven: Umsatzprognosen, die ab dem zweiten Jahr steil steigen, ohne dass Vertrieb und Personal mitwachsen.
- Kein klarer Kapitalbedarf: Unklar, wie viel Geld gebraucht wird und wofür.
- Zu viel Text: Folien, die der Vortragende vorliest.
- Widersprüche: Zahlen im Deck weichen vom Businessplan ab.
Checkliste Pitch Deck
- Lesefassung und Vortragsfassung angelegt
- Problem aus Kundensicht beschrieben und belegt
- Markt von unten hergeleitet, Quellen genannt
- Geschäftsmodell mit Preis, Marge und Kundengewinnungskosten erklärt
- Wettbewerb einschließlich heutiger Kundenlösung dargestellt
- Bisherige Ergebnisse ehrlich gekennzeichnet
- Team mit relevanter Erfahrung und benannten Lücken
- Kapitalbedarf mit Verwendung und Meilensteinen
- Zahlen mit dem Businessplan abgeglichen
- Vortrag mit Uhr geübt, kritische Fragen vorbereitet
Häufige Fragen
- Wie viele Folien sollte ein Pitch Deck haben?
- Für einen Vortrag von fünf bis zehn Minuten reichen meist zehn bis fünfzehn Folien. Weitere Details, etwa ausführliche Finanzzahlen, technische Erläuterungen oder Lebensläufe, gehören in einen Anhang, den Sie bei Nachfragen zeigen.
- Brauche ich zusätzlich einen Businessplan?
- Für den ersten Kontakt reicht oft das Deck. Spätestens wenn ein Investor oder eine Förderstelle ernsthaft prüft, wird ein ausführlicher Businessplan mit Finanzteil verlangt. Das Deck ist die Kurzfassung, der Plan die Grundlage, aus der seine Zahlen stammen.
- Sollte ich eine Bewertung meines Unternehmens ins Deck schreiben?
- Das ist umstritten. Viele Gründer nennen nur den Kapitalbedarf und die geplante Verwendung und verhandeln die Bewertung erst im Gespräch. Eine Bewertung im Deck kann abschrecken, wenn sie zu hoch wirkt, und Spielraum kosten, wenn sie zu niedrig ist.
- Darf ich Logos von Kunden oder Partnern zeigen?
- Nur mit deren Zustimmung und nur, wenn tatsächlich eine Geschäftsbeziehung besteht. Absichtserklärungen oder Gespräche als feste Kunden darzustellen, beschädigt Ihre Glaubwürdigkeit, sobald es bei der Prüfung auffällt.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Die Inhalte sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Beratung durch Steuerberatung, Rechtsanwalt, Kammer oder Förderbank.