Leitfragen

Gründen als Frau: Netzwerke und Förderprogramme

Spezielle Programme, offene Förderwege und Netzwerke für Gründerinnen, dazu die Fragen, die bei Familie, Teilzeitstart und Absicherung früh geklärt sein sollten.

Als Frau zu gründen bedeutet rechtlich nichts anderes als für jeden anderen Gründer. Es gibt aber eine Reihe spezieller Netzwerke und einige gezielte Programme, etwa EXIST-Women an Hochschulen und Gründerinnenberatungen in vielen Regionen. Der größere Hebel liegt meist bei den allgemeinen Förderprogrammen, die allen offenstehen, und bei einer Planung, die Familie, Teilzeitstart und Absicherung von Anfang an berücksichtigt.

Die grundlegenden Fragen vor jeder Gründung stehen auf der Seite Leitfragen der Gründung. Hier geht es um das, was für Gründerinnen zusätzlich wichtig ist.

Wo Gründerinnen häufig anders starten

Auswertungen zum Gründungsgeschehen in Deutschland, etwa der KfW-Gründungsmonitor, zeigen seit Jahren ein ähnliches Bild: Frauen gründen seltener als Männer, häufiger im Nebenerwerb, häufiger im Dienstleistungsbereich und oft mit weniger Startkapital. Das ist kein Nachteil an sich. Kleiner und vorsichtiger zu beginnen, kann ein Vorhaben stabil machen.

Problematisch wird es, wenn ein Vorhaben unterfinanziert ist oder Wachstum ausbleibt, weil Förderung und Kapital gar nicht erst beantragt werden. Prüfen Sie deshalb bewusst, ob Ihr Kapitalbedarf realistisch ist und welche Finanzierungswege Sie nutzen können, auch wenn Sie zunächst klein starten. Wer neben einer Anstellung oder Familienarbeit beginnt, findet die wichtigsten Punkte im Artikel zum Gründen im Nebenerwerb.

Programme speziell für Frauen

EXIST-Women

EXIST-Women ist ein Programm des Bundeswirtschaftsministeriums für gründungsinteressierte Frauen im Hochschulumfeld. Teilnehmen können je nach Hochschule zum Beispiel Studentinnen, Absolventinnen und Wissenschaftlerinnen, teilweise auch Frauen mit Berufsausbildung. Die Hochschulen bieten über mehrere Monate Workshops, Mentoring und Netzwerkveranstaltungen an, teilweise ergänzt um ein kurzes Stipendium. Eine fertige Geschäftsidee ist nicht immer Voraussetzung. Ob und wann Ihre Hochschule teilnimmt, erfahren Sie beim dortigen Gründungsservice.

Regionale Gründerinnenangebote

Viele Städte und Regionen haben Gründerinnenzentren, Beratungsstellen oder Programme von Wirtschaftsförderung, Kammern und Hochschulen, die sich gezielt an Frauen richten. Typisch sind Orientierungsseminare, Mentoring, Coworking mit Kinderbetreuung und Gruppenangebote für Gründerinnen in ähnlicher Lage. Die Angebote unterscheiden sich stark nach Bundesland. Einen Einstieg über die Förderbanken und Kammern der Länder bietet die Seite Gründung nach Bundesland.

Initiativen und Wettbewerbe

Auf Bundesebene gibt es außerdem Initiativen, die Unternehmerinnen sichtbarer machen, etwa durch Vorbild-Unternehmerinnen, die über ihren Weg berichten. Daneben schreiben Länder, Verbände und Stiftungen Preise speziell für Gründerinnen aus. Prüfen Sie bei Wettbewerben immer, ob sie aktuell laufen und welche Bedingungen gelten.

Programme, die allen offenstehen

Die wichtigsten Förderinstrumente sind nicht geschlechtsspezifisch. Einen Überblick gibt der Bereich Fördermittel.

Programm Für wen Art
Gründungszuschuss Gründende aus dem Arbeitslosengeld Zuschuss der Arbeitsagentur, Ermessensleistung
Einstiegsgeld Gründende aus der Grundsicherung Zuschuss des Jobcenters
KfW-StartGeld kleinere Gründungsvorhaben Förderkredit über die Hausbank
Programme der Landesförderbanken Gründende im jeweiligen Land Kredite, Zuschüsse, Beteiligungen
Bürgschaftsbanken Gründende ohne ausreichende Sicherheiten Bürgschaft für Bankkredite
EXIST-Gründungsstipendium Hochschulabsolventen und Wissenschaftler Stipendium für innovative Vorhaben
Beratungsförderung junge und bestehende kleine Unternehmen Zuschuss zu Beratungskosten

Bei Zuschüssen und Förderkrediten gilt: Der Antrag muss in aller Regel vor dem Start oder vor der Investition gestellt werden.

Beratung gezielt nutzen

Gute Beratung spart Geld und Umwege. Für Gründerinnen kommen mehrere Quellen in Frage, die meisten kostenlos oder gefördert:

  • Gründungsberatung der Kammern: Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern bieten Einstiegsgespräche, Seminare und Stellungnahmen zum Businessplan.
  • Gründerinnenberatungsstellen: In vielen Regionen gibt es Beratung speziell für Frauen, oft mit Angeboten für den Teilzeitstart.
  • Hochschul-Gründungszentren: für Studentinnen, Absolventinnen und Wissenschaftlerinnen, teilweise mit Räumen und Netzwerken.
  • Geförderte Unternehmensberatung: Für junge Unternehmen gibt es Bundes- und Landesprogramme, die einen Teil der Kosten für externe Beratung übernehmen. Konditionen und Laufzeiten ändern sich, fragen Sie den aktuellen Stand bei Kammer oder Förderbank nach.

Das Finanzierungsgespräch vorbereiten

Ob Bankkredit, Förderkredit oder Beteiligung: Die Entscheidung fällt anhand von Plan, Zahlen und Auftreten. Bereiten Sie das Gespräch so vor, dass Ihr Vorhaben für sich spricht:

  • einen vollständigen Businessplan mit nachvollziehbarer Umsatzplanung
  • einen Kapitalbedarfsplan, der auch eine Reserve und Ihre Lebenshaltung enthält
  • eine klare Aussage, wie viele Stunden Sie arbeiten können und wie die Betreuung geregelt ist, wenn Kinder im Haushalt leben
  • Belege für Nachfrage, etwa Vorbestellungen, Absichtserklärungen oder erste Kunden

Beantragen Sie den Betrag, den das Vorhaben braucht, nicht den, den Sie sich zutrauen. Eine zu knappe Finanzierung ist einer der häufigsten Gründe, warum Gründungen in den ersten Jahren in Schwierigkeiten geraten.

Netzwerke für Unternehmerinnen

Netzwerke bringen Aufträge, Kooperationen, Erfahrungsaustausch und manchmal auch Kapital. Sinnvoll ist eine Mischung:

  • Unternehmerinnenverbände auf Bundes- und Landesebene, etwa der Verband deutscher Unternehmerinnen
  • Berufsnetzwerke für Frauen mit regionalen Gruppen
  • Branchennetzwerke und Kammern, deren Veranstaltungen allen offenstehen
  • Business-Angel-Netzwerke, von denen einige gezielt in Gründerinnen investieren
  • Online-Gemeinschaften zu Themen wie Gründen mit Kind oder Gründen im Nebenerwerb

Prüfen Sie Beitragskosten und Angebot, bevor Sie mehreren Netzwerken gleichzeitig beitreten. Ein bis zwei aktiv genutzte Netzwerke bringen meist mehr als viele passive Mitgliedschaften.

Allein oder im Team gründen

Viele Gründerinnen starten allein, andere suchen gezielt Mitgründerinnen oder Mitgründer, die fehlende Fähigkeiten ergänzen, etwa Technik, Vertrieb oder Finanzen. Ein Team verteilt Arbeit und Risiko und wird von Kapitalgebern oft positiv bewertet. Es braucht aber klare Absprachen: Wer bringt wie viel Zeit und Geld ein, wer entscheidet was, und was passiert, wenn jemand aussteigt? Halten Sie das schriftlich fest und wählen Sie eine Rechtsform, die zum Team passt.

Gründen mit Familie: was Sie früh klären sollten

Zeit und Betreuung

Planen Sie realistisch, wie viele Stunden pro Woche Sie verlässlich arbeiten können, und legen Sie den Umsatzplan danach aus. Ein Geschäftsmodell, das ständige Erreichbarkeit verlangt, passt schlecht zu festen Betreuungszeiten.

Mutterschaft und Krankheit

Selbstständige haben keinen Arbeitgeber, der im Mutterschutz oder bei Krankheit weiterzahlt. Ob Sie Mutterschaftsgeld oder Krankengeld erhalten, hängt von Ihrer Krankenversicherung und dem gewählten Tarif ab. Klären Sie das vor der Gründung. Hintergründe stehen im Bereich Versicherungen.

Elterngeld

Auch Selbstständige können Elterngeld erhalten. Es berechnet sich bei ihnen in der Regel nach dem Gewinn eines zurückliegenden Zeitraums. Eine Gründung kurz vor der Geburt kann deshalb die Höhe beeinflussen. Lassen Sie sich bei der Elterngeldstelle beraten, wenn Gründung und Familienplanung zeitlich nah beieinander liegen.

Altersvorsorge

Viele Selbstständige sind nicht automatisch rentenversichert. Wer in Teilzeit gründet oder Erwerbspausen hat, sollte die Altersvorsorge besonders bewusst planen und Zeiten der Kindererziehung bei der Rentenversicherung anerkennen lassen.

Typische Fehler

  • Nur Frauenprogramme gesucht: Die großen allgemeinen Programme werden übersehen.
  • Zu wenig Kapital beantragt: Das Vorhaben startet unterfinanziert und wächst nicht.
  • Preise zu niedrig: Die eigene Arbeitszeit wird nicht voll kalkuliert.
  • Absicherung später: Krankengeld, Mutterschaft und Altersvorsorge werden erst geklärt, wenn es dringend ist.
  • Netzwerke ohne Ziel: Viele Mitgliedschaften, wenig Nutzen.

Checkliste für Gründerinnen

  • Allgemeine Förderprogramme und Landesprogramme geprüft
  • Angebote für Gründerinnen an Hochschule, Kammer und Wirtschaftsförderung erfragt
  • Kapitalbedarf realistisch berechnet, nicht künstlich klein gehalten
  • Wöchentliche Arbeitszeit verlässlich geplant
  • Krankenversicherung mit Blick auf Krankengeld und Mutterschaft geklärt
  • Auswirkungen auf Elterngeld vor der Gründung besprochen
  • Altersvorsorge und Kindererziehungszeiten berücksichtigt
  • Ein bis zwei passende Netzwerke ausgewählt
Linktipps

Offizielle Stellen, kurz kommentiert

  • EXIST-Women beim Projektträger Jülichptj.de

    Informationen zum Programm des Bundeswirtschaftsministeriums für gründungsinteressierte Frauen an Hochschulen, mit teilnehmenden Hochschulen und Ablauf.

  • Existenzgründungsportal des Bundesexistenzgruendungsportal.de

    Übersicht über Förderprogramme, Beratungsangebote und regionale Ansprechpartner, auch zu Angeboten für Gründerinnen.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Gibt es Förderkredite nur für Frauen?
Bundesweit sind die großen Förderkredite nicht auf Frauen beschränkt. Gründerinnen nutzen die gleichen Programme wie alle anderen, etwa Förderkredite der KfW oder der Landesförderbanken. Einzelne Länder, Kommunen und Hochschulen haben zusätzliche Angebote für Frauen, vor allem Beratung, Qualifizierung und Mentoring. Fragen Sie bei der Förderbank Ihres Landes und bei der Kammer nach.
Bekomme ich als Selbstständige Mutterschaftsgeld?
Das hängt von Ihrer Krankenversicherung ab. Freiwillig gesetzlich Versicherte erhalten Mutterschaftsgeld in der Regel nur, wenn sie Anspruch auf Krankengeld haben, also einen entsprechenden Tarif gewählt haben. Privat Versicherte sind auf ihren Vertrag angewiesen. Klären Sie das vor einer geplanten Schwangerschaft mit Ihrer Kasse oder Versicherung.
Kann ich während der Elternzeit gründen?
Eine selbstständige Tätigkeit in Teilzeit ist während der Elternzeit grundsätzlich möglich, wenn eine zeitliche Grenze eingehalten wird. Arbeitnehmerinnen brauchen für eine Selbstständigkeit neben der Elternzeit die Zustimmung des Arbeitgebers. Einkommen aus der Tätigkeit wird auf das Elterngeld angerechnet.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Die Inhalte sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Beratung durch Steuerberatung, Rechtsanwalt, Kammer oder Förderbank.